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„Multiplikatoren und Workcamps“

 
Das Projekt „Bildung in Kenia – Multiplikatoren und Workcamps“ ermöglichte (von Juli 2008 bis September 2010) interkulturelle Bildung in Mecklenburg-Vorpommern und interkulturellen Austausch zwischen Deutschland und Kenia. Das Projekt setzte sich aus drei Teilprojekten zusammen. Innerhalb von zwei Jahren und drei Monaten wurden Multiplikator/innen zum Thema „Bildung und Entwicklung, am Beispiel Kenias“ ausgebildet. Das Thema wurde im globalen Zusammenhang und in Bezug auf die Millennium-Entwicklungsziele betrachtet. Außerdem wird deutlich gemacht, wie groß die Bedeutung von Bildung als Grundlage von Entwicklung ist.
Die Multiplikator/innen konnten anschließend eigene Erfahrungen während eines Work-camps in Kenia sammeln. Die Einbindung der Workcampteilnehmer/innen in die Vereins-projekte in Kenia ermöglichte den direkten Kontakt zur Bevölkerung und die intensive Erfahrung der Umstände im Projektgebiet. Diese Erfahrung hat sie sensibilisiert und dazu befähigt anderen Menschen authentisch von der Lebenswirklichkeit in Kenia zu berichten.
Die Schulungs- und Workcampteilnehmer/innen gestalteten anschließend interkulturelle Bildungseinheiten in Schulen und anderen Institutionen.
 
 

 

Weiterbildung von Multiplikator/innen

In den zwei Jahren des Projektes haben insgesamt 20 Teilnehmer/innen die Multiplikatoren-schulung des Vereins durchlaufen. Jede Weiterbildung bestand aus einem theoretischen Teil, der sich mit grundlegenden sozialen Problemen in Entwicklungsländern befasste sowie einem praktischen Teil. Hier konnten die Multiplikator/innen anhand des Gelernten eigene Projekttage planen. Die Multiplikator/innen setzten sich intensiv mit den behandelten Themen auseinander, wodurch die Identifikation mit den Inhalten stieg. Sie erlangten Erfahrungen und Kompetenzen in der Planung und Durchführung von Bildungseinheiten und bringen ihre erworbenen Fähigkeiten und ihr erworbenes Wissen in andere berufliche Kontexte ein.
Zu den Multiplikatorenschulungen, Workcamps und Bilddungseinheiten liegen Fragebögen vor, die von den jeweiligen Teilnehmern ausgefüllt wurden. Als besonders positiv wurde bewertet:
 

 

„Ich hab sogar viele Erfahrungen mitgenommen, die ich als angehende Erziehungswissen-schaftlerin immer gebrauchen kann.“ (Multiplikatorin 2010)

 

 

„Ich habe mich bei den Treffen sehr wohl gefühlt, es war toll Leute zu treffen, die die gleichen Interessen mit mir teilen. ... Ich habe viel Interessantes über den afrikanischen Kontinent und die Gestaltung von Vorträgen und Projekttagen gelernt.“ (Multiplikatorin 2009)

Als Verbesserungsvorschläge wurden genannt:
 

 

„Es wäre toll, wenn mehr Personen an den Veranstaltungen teilnehmen würden. Vielleicht noch mehr Aushänge und Informationsveranstaltungen im Voraus organisieren?!?“ (Multiplikatorin 2010)

 

 

„Wenn möglich, versuchen die Schulung zu einem früheren Zeitpunkt stattfinden zu lassen und eventuell mehr Sitzungen für die Ausarbeitung der Präsentationen und des Materials einplanen. Vielleicht könnte man ein Element einbauen, in dem die Schulungsteilnehmer das selbstbewusste Auftreten vor Zuhörern üben.“ (Multiplikatorin 2008)

Alle Anregungen der Teilnehmer/innen der Multiplikatorenschulungen sowie der Workcamps wurden registriert und versucht gemeinsam umzusetzen. Folgende Weiterbildungen wurden dementsprechend angepasst.
 
 

Organisation und Durchführung von Workcamps

Es fanden insgesamt fünf Workcamps (je drei Wochen) in Nachami/ Archers Post (Samburu Distrikt/Kenia) statt, mit insgesamt 18 Teilnehmer/innen. Während der Aufenthalte in Kenia wurden die Patenkinder des Vereins betreut (Schulgelder bezahlt, notwenige Schul-materialen gekauft, die Entwicklung des Kindes und die seiner Familie dokumentiert), zwei Hühnerfarmen (eine im Dorf Nachami, eine an der Girgir Primary School) gebaut und ausgestattet, die Schuleinrichtung der Girgir Primary School sowie der Nachami Nursery School renoviert und teilweise erneuert, drei Bildungsprojekte an der Lorubae Primary School und der Girgir Primary School durchgeführt, mehrere Unterrichtsstunden zum interkulturellen Austausch an der Uaso Secondary School, der Girgir Pry School, Lorubae Pry School und der Nachami Nursery School veranstaltet. Es fand eine eingehende Vor- und Nachbereitung der Workcamps statt. Die Teilnehmer waren Studenten sowie interessierte, berufstätige Erwachsene aus der gesamten Bundesrepublik. Aufgrund des hohen Interesses an Auslandspraktika wurden ebenso zwei mal pro Jahr, für durchschnittlich zwei Monate, Freiwillige nach Sabaki/Kenia entsendet.
Die Teilnehmer haben durch das Mitleben in einer fremden Kultur das Land und deren Menschen aus einer anderen Perspektive kennen gelernt. Die interkulturellen Kompetenzen der Workcampteilnehmer sind durch die Zusammenarbeit mit den Kenianer/innen gefördert worden und sie konnten u.a. eine kritische Distanz gegenüber der eigenen Kultur entwickeln. Außerdem wurden sie durch den interkulturellen Dialog für die lokale Lebenswelt, Sitten und Bräuche, Religion und Mentalität sensibilisiert.
Des Weiteren konnten die Workcampteilnehmer/innen ihre sozialen Kompetenzen stärken, indem ihnen ein hohes Maß an Flexibilität, Anpassungs- und Teamfähigkeit abverlangt wurde. Sie machten intensive Erfahrungen und Beobachtungen, die später in die Bildungsarbeit einflossen. Globale Zusammenhänge werden vor dem Hintergrund realer Erfahrungen greifbar. Diese Erfahrungen ermöglichen idealerweise ein tieferes Verstehen komplexer Realsituationen, sie korrigieren einseitige Empathiebezeugungen und ersetzen diese durch die Reflexion über internationale Regeln in partizipativen Kontexten.
Als besonders positiv an den Workcamps wurde der intensive Kontakt zu den lokalen Gemeinschaften sowie das Leben innerhalb der Workcampgruppe bewertet.
 

 

„Insgesamt muss ich sagen, dass das Workcamp eine der besten Erfahrungen meines Lebens war. Das Highlight waren mit Abstand die Menschen. Obwohl man keine gemeinsame Sprache hatte war man sich doch gleich sehr vertraut und fühlte sich sofort in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. ... Seit ich in Kenia war ist mir vieles klarer geworden und ich betrachtet viele Dinge mit viel mehr Distanz als zuvor.“ (Workcampteilnehmerin2009)

 

 

„Mein besonderer Dank gilt der Gruppe, die als solche wirklich funktioniert hat. Es gab keine Konflikte, keine Ausgrenzungen und keine Anfeindungen. ... Es war für mich eine große Bereicherung, dass wir unsere Beobachtungen und Erfahrungen in der Gruppe immer wieder besprechen und die verschiedenen Positionen oder auch Ansichten austauschen konnten. ... Wir haben sehr gut miteinander gelebt und für einander gesorgt. Dennoch ist mir die Abhängigkeit von Wasser und Nahrung so klar geworden, wie nie zuvor in meinem Leben.“ (Workcampteilnehmerin 2010)

Als Verbesserungsvorschläge wurde genant:
 

 

„Die Teilnehmer müssen besonders über die Gefahren hingewiesen werden, auch darüber das es manchmal einfach nichts zu tun gibt bis auf das Warten auf die Handwerker. ... Es sollte auch weiterhin zweigleisig laufen, also Projekte an der Schule und kleinere Baupro-jekte, nicht jeder potenzieller Teilnehmer ist geeignet für den Schulunterricht.“ (Workcampteilnehmerin 2009)

Auch die kenianischen Schüler/innen sowie Eltern, Lehrer und Dorfbewohner profitierten von dem Zusammenleben und –arbeiten mit der Workcampgruppe (von den Kleinstprojekten zur Einkommenssicherung abgesehen). Durch den intensiven kulturellen Austausch auf Augenhöhe erfolgte eine Reflexion von Identität und kulturellen Leitbildern, die Stärkung der kommunikativen Kompetenz (Englisch-Sprechen und Verstehen, Arbeiten in anderen Unterrichtssituationen wie Gruppenarbeit, usw.), ein Aufbau von Beziehungen und Integration fremder Perspektiven auf Biografie, Lebensvorstellungen und die Rolle der Geschlechter.
 
 

 

Bildungseinheiten

Es fanden 28 Bildungseinheiten (Projekttage und Referate) an verschiedenen Kindergärten, Grundschulen, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien, der Universität Rostock u.a. Institutionen in Mecklenburg Vorpommern statt. Die Multiplikatoren führten die Bildungs-einheiten ehrenamtlich durch. Diese wurden vom Verein organisiert und begleitet. Es wurde ebenfalls Kontakt zu verschieden Bildungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern, geknüpft. Insgesamt wurden ca. 720 Menschen unterschiedlichen Alters erreicht. Je nach Anfrage der Einrichtungen wurden ganz- bzw. mehrtägige Projekttage oder mehrstündige Referate geplant und durchgeführt.
Kinder und Jugendliche wurden für verschiedene Lebenswelten, Sitten und Bräuche, Religionen und Mentalitäten sensibilisiert. Außerdem wurden verklärte Vorstellungen und Vorurteile der anderen Kultur gegenüber (Samburu/Deutschland) angesprochen und diskutiert sowie die Verschiedenheit und Gemeinsamkeit verschiedener Kulturen heraus-gestellt.
Die Teilnehmer/innen der Bildungseinheiten reflektierten eigene und andere Leitbilder. Sie entwickelten eine kritische Distanz gegenüber der eigenen Kultur, setzten sich mit einzelnen Elementen ihrer Kultur vertieft auseinander. Insbesondere die Workcampteilnehmer/innen machten Lernerfahrungen durch eigenes Erleben und Mitleben einer fremden Kultur, die sie anschließend mit Schüler/innen in Deutschland teilten. Die Schüler/innen reflektieren und verstehen die Hintergründe, Formen und Auswirkungen des eigenen Lebensstils und des Lebensstils anderer Personen sowie Gesellschaften auf die Lebens- und Arbeitssituation anderer Menschen.
Die Wirkung auf die Zielgruppen wurde in mündlichen Reflexionsrunden abgefragt, die Ergebnisse wurden innerhalb des jeweiligen Multiplikatorenteams zusammen mit den Bildungsreferent/innen diskutiert und ausgewertet und gegebenenfalls in folgenden Bildungseinheiten angepasst. Als besonders positiv von vielen Kindern wurden die Spiele und Anschauungsmaterialien aus Kenia bewertet.
 
 

 

Erarbeitung von didaktischen Materialien

In der Projektphase wurden verschiedene didaktische Materialien erarbeitet:
- Broschüre: „Bildung in Afrika – Situation, Folgen, Perspektiven, das Beispiel Kenia“
- Reader: „Grundlegende soziale Probleme in Entwicklungsländern“
- Reader: „Seminare ansprechend gestalten“
Ein Angebotskatalog wurde erstellt zu folgenden Themen:
      - „Das Afrikanische Klassenzimmer“(Zielgruppe: Kindergarten bis Grundschule)
      - „Samburu zwischen Tradition und Moderne, eine afrikanische Kultur im Wandel“
        (Zielgruppe: Klasse 9 bis Erwachsene)
      - „Ein Tag mit Lekebo, Schulalltag in Kenia und Deutschland“ (Zielgruppe: Klasse 5 bis 9)
      - „Leben und Lernen in Kenia“ (Zielgruppe: Klasse 7 bis Erwachsene)
Zusätzlich liegen zu allen entwickelten Vortragsreihen ZIM-Papiere, sowie Powerpoint-präsentationen, Hintergrundinformationen, didaktische Bausteine, Fotodokumentationen und Anschauungsmaterialien vor und können somit von zukünftigen Multiplikatoren genutzt werden.
Außerdem wurden12 Infostände bzw. Vorstellungen des Projektes an verschiedenen Orten und in verschiedenen Einrichtungen in M-V organisiert und durchgeführt sowie drei Fotowanderausstellungen erstellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Zusätzlich erschienen verschiedene Medienberichte in der lokalen Presse (Zeitung, Radio, Internet). Ein Dokumentarfilm über die Workcamps und die Multiplikatorenschulung dient ebenfalls der Bewerbung des Projektes.
Nach Beendigung des Projektes wird dieses ehrenamtlich weitergeführt. Insgesamt ist das Projekt sehr gut verlaufen und wir sind stolz hauptsächlich positive Reaktionen von allen Beteiligten erhalten zu haben. Insbesondere die Verknüpfung von theoretisch vermittelten Inhalten während der Multiplikatorenschulungen mit praktisch gesammelten Erfahrungen während der Workcamps in Kenia sowie der Weitergabe dieser an andere Menschen, wird hervorgehoben und als wertvoll betrachtet.